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In Salzburg bestand bis vor kurzem eine Institution, die mit kritischer Gesellschaftstheorie und Psychoanalyse zwei kontroversielle Denkströmungen vereinte und praktizierte: die WERKSTATT für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Leider muß in der Vergangenheitsform gesprochen werden, da der Vorstand der WERKSTATT am 18.11.1997 von einer außerordentlichen Generalversammlung mit der Auflösung des Vereins beauftragt wurde, die nach Regelung aller finanziellen Angelegenheiten 1998 vollzogen werden soll. Kontinuierliches Desinteresse von Seiten öffentlicher Stellen über die letzten drei bis vier Jahre hindurch, ausgedrückt in massiven Subventionskürzungen, und der daraus resultierende chronische Geldmangel hatten das offenbar Gewünschte bewirkt: die Motivation der WERKSTATT-MitarbeiterInnen, die 14 Jahre hindurch bis über die Grenzen der zumutbaren Selbstausbeutung für ihre Ideale gearbeitet und gekämpft hatten, war an einem endgültigen Tiefpunkt angelangt, über den hinaus eine Weiterarbeit nicht mehr sinnvoll erschien.
In den 14 Jahren ihres Bestehens hat die WERKSTATT unter anderem eine beachtenswerte psychoanalytische Spezialbibliothek aufgebaut. In der erwähnten außerordentlichen Generalversammlung wurde beschlossen, die Bibliothek einer ehemaligen Teilorganisation der WERKSTATT zu übergeben, nämlich der Sexualberatungsstelle in Salzburg, die weiter unten noch Erwähnung finden wird. Der einzige andere Interessent an der WERKSTATT-Bibliothek mit einem konkreten schriftlichen Angebot, die Universitätsbibliothek Salzburg, ging - leider - leer aus. Grund für diese Entscheidung der WERKSTATT-Mitglieder war vor allem das Angebot der Sexualberatungsstelle, eine allgemein zugängliche Freihandaufstellung des Bestandes zu gewährleisten und damit in der Bibliothek einen Ort der Zusammenkunft und kritischen Diskussion zu erhalten. Ob jedoch darüberhinaus eine kontinuierliche Fortführung und Weiterentwicklung der WERKSTATT-Bibliothek garantiert ist, bleibt abzuwarten. Die Geschichte der WERKSTATT und ihrer Bibliothek kurz zu skizzieren und nachzuzeichnen ist Ziel dieses Beitrages.
Die WERKSTATT für Gesellschafts- und Psychoanalyse, im folgenden kurz WERKSTATT genannt, war ein im Jahre 1983 in Salzburg von einem Kreis engagierter, an Psychoanalyse und kritischer Gesellschaftstheorie interessierten StudentInnen gegründeter gemeinnütziger, nicht auf Gewinn gerichteter Verein. Laut § 2 der Vereinsstatuten vom Oktober 1996 war der Zweck des Vereins u.a. die Beschäftigung mit Psychoanalyse im Freudschen Sinn, beinhaltend Klinik und Kulturtheorie, durch die Durchführung von Forschungs- und Lehraufgaben in gesellschaftlichen, psychologischen und psychotherapeutischen Problembereichen, sowie die Erstellung von damit verbundenen wissenschaftlichen Publikationen und Dokumentationen". Das Selbstverständnis der WERKSTATT bestand in der theoretischen Auseinandersetzung mit und in der praktischen Anwendung von Psychoanalyse und kritischer Gesellschaftstheorie. Neben dem klinischen Anwendungsbereich der Psychoanalyse war die sozialwissenschaftliche Anwendung derselben das zweite Standbein der WERKSTATT.
Die wissenschaftliche Tätigkeit der WERKSTATT umfaßte Publikationen des engeren Mitgliederkreises, ein vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gefördertes Forschungsprojekt, zahlreiche organisierte Arbeitskreise, Tagungen, Ausstellungen, Vorträge und Seminare. Ab 1985 nahm die WERKSTATT darüber hinaus an der internationalen Vernetzungsbewegung gesellschaftskritischer Psychoanalyse teil. Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler der internationalen Vernetzung waren die Kontakte mit Lateinamerika; insbesondere zu erwähnen sind die intensiven Kontakte nach Nicaragua (Veranstaltungen mit Marie Langer über das 'Salud Mental'-Projekt ebendort, Herausgabe einer Solidaritätsbroschüre (2) und eines Buches (3) zu diesem Thema); sowie die Forschungs- und Lehrtätigkeit von Dr. Gerhild Trübswasser in Nicaragua, Paraguay, Uruguay und Argentinien; weiters bestanden Kontakte mit Chile, Uruguay und Costa Rica (dokumentiert durch Forschungsreisen von WERKSTATT-MitarbeiterInnen in diese Länder).
Die Zahl ihrer Mitglieder (v.a. StudentInnen, PsychotherapeutInnen, PsychologInnen, LehrerInnen und sozialwissenschaftlich tätige Personen) hatte sich im Lauf der Jahre auf rund 250 und ebenso viele Abonnenten der von der WERKSTATT herausgegebenen Zeitschrift WERKBLATT (4) eingependelt. Die WERKSTATT wurde finanziert aus Mitgliedsbeiträgen und Subventionen. Nach Abzug der Kosten für das WERKBLATT und der Betriebskosten verblieb vom Gesamtbudget 1996 allerdings lediglich ein Betrag von rund 20.000,- ATS.
Die Geschichte der WERKSTATT ist eng verknüpft mit der Geschichte des Instituts für Psychologie der Universität Salzburg. 1973 wurde mit Igor Caruso in Salzburg erstmals in Österreich ein Psychoanalytiker als ordentlicher Professor an ein Institut für Psychologie berufen. (5) Igor Caruso faszinierte durch seine Persönlichkeit. Nicht Psychoanalyse im Sinne einer modernistischen Pervertierung Sigmund Freuds stand zur Debatte, sondern der Versuch, den psychoanalytischen Zugang zu sozialer Praxis wiederzuentdecken." (6). Caruso war eine Person mit charismatischer Ausstrahlung und ... Wissenschaftler, der die Lehre Sigmund Freuds auch in ihren sozialkritischen Aspekten vermittelte. (7) Als Caruso 1979 aus gesundheitlichen Gründen emeritierte, hinterließ er sein Experiment mit einer sehr schlechten institutionellen Absicherung." (8) An der Nachfolge Carusos entzündete sich ein hochschulpolitischer Konflikt, der das Institut jahrelang nachhaltig erschütterte. Schließlich wurde 1983 mit Urs Baumann ein Psychologe ohne klinische Erfahrung und ohne Interesse für Psychoanalyse, der sich selbst als Reaktionär bezeichnete, als Nachfolger für Igor Caruso bestellt". (9)
Als Konsequenz dieser Niederlage wurde im Herbst 1983 die WERKSTATT für Gesellschafts- und Psychoanalyse - Verein zur Förderung kritischer Wissenschaft" gegründet. Innerhalb kürzester Zeit zählte der Verein 300 Mitglieder; eigene Räumlichkeiten in der Altstadt wurden gefunden, und bereits 1983 wurde mit der Aufstellung einer psychoanalytisch-sozialwissenschaftlichen Spezialbibliothek begonnen. Im Sommer 1986 erfolgte der Umzug in die bis zuletzt benutzten Räumlichkeiten im Kulturgelände Nonntal. Bereits in der Gründungsphase der WERKSTATT erfuhr diese breite internationale Unterstützung durch PsychoanalytikerInnen und SozialwissenschaftlerInnen aus dem deutschsprachigen Raum, den USA und Lateinamerika durch Gastvorträge; insbesondere zu erwähnen sind hier Ernest Borneman, Alfred Lorenzer, Paul Parin, Goldy Parin-Matthèy, Siegfried Grubitzsch, Günter Rexilius, Helmut Dahmer, Emilio Modena, Else Pappenheim, Alfred Krovoza, Marie Langer, das Psychoanalytische Seminar Zürich, Mitarbeiter des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt und Mitarbeiter von Peter Brückner. Schon bald erwarb sich die WERKSTATT einen sehr guten Ruf im In- und Ausland; so schreibt z.B. Wolfgang Huber, die WERKSTATT sei ein Verein, der mit einem beachtlichen Angebot an Seminaren, Symposien und Vorträgen, jedoch auch Publikationen, einen Kontrapunkt zur universitären Psychologie bieten will" (10).
Eine wichtige Teilorganisation ist die 1986 gegründete Sexualberatungsstelle der WERKSTATT, die sich 1995 organisatorisch wieder von der WERKSTATT getrennt hat. In den 11 Jahren ihres Bestehens wurde ein rein psychoanalytischer Zugang zur Behandlung von Sexualstörungen entwickelt, wie er nach Wissen der Beratungsstelle an keiner anderen Sexualberatungsstelle im deutschsprachigen Raum betrieben wird. Die Beratungsstelle verfügt über eine eigene Bibliothek mit ca. 1000 Bänden für die spezielle, klinisch beratende Tätigkeit.
Wie bereits erwähnt, wurde sofort nach der Gründung der WERKSTATT 1983 damit begonnen, eine psychoanalytische Spezialbibliothek einzurichten. Im § 3 der Vereinsstatuten 'Mittel zur Erreichung des Vereinszweckes' findet sich unter den ideellen Mitteln auch der Betrieb einer öffentlich zugänglichen Bibliothek" (11). Erleichtert wurde dieses Vorhaben durch zahlreiche Spenden; hervorzuheben sind Ernest Borneman mit einer Spende von mindestens 500 Büchern (12), Else Pappenheim (New York), die vor allem ältere Jahrgänge von wertvollen amerikanischen psychoanalytischen Zeitschriften spendete, und Margit Hohenberg-Herz (Haifa) (13). Schätzungen zufolge konnten ca. 2000 Bücher in den ersten beiden Jahren auf diese Weise von der Bibliothek erworben werden.
Aufgrund von Geldmangel konnte erst 1986 Frau Dr. Gerhild Trübswasser mit 30 Wochenstunden fix angestellt werden; sie betreute bis 1989 Büro und Bibliothek. Erfreulicherweise konnte von 1991-1993 mit Frau Mag. Notburga Falkinger eine Halbtagskraft beschäftigt werden, die sich ausschließlich der bibliothekarischen Tätigkeit widmete. In ihre 'Ära' fiel der Aufbau des Schlagwortkatalogs in Form einer ausführlichen Systematik für Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie sowie die Herausgabe der ersten Rezensionsbroschüren der Bibliothek. Von Mai 1994 bis Juni 1997 arbeitete Mag. Thomas Radauer als Angestellter der WERKSTATT 10 Wochenstunden für die Bibliothek. Frau Dr. Gerhild Trübswasser war in dieser Zeit mit 16 Wochenstunden als Angestellte der WERKSTATT tätig und war u.a. ebenfalls für die Publikumsbetreuung während der Büroöffnungszeiten verantwortlich.
Die WERKSTATT-Bibliothek war laut Statuten eine öffentlich zugängliche Bibliothek; ihre Hauptaufgabe war die Versorgung von Studierenden, Forschenden, Lehrenden oder anderen Interessierten mit Literatur zu den Gebieten Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie. Als Sammelschwerpunkte hatten sich daneben noch folgende Gebiete etabliert: Psychologie, Psychotherapie, Sozialpsychologie, Psychiatrie, Medizinsoziologie, Sozialmedizin, Sexualität, Feministische Literatur und Gesellschaftskritik. Die Bibliothek hatte neben der Direktbenützung durch Besucher auch die Herausgabe von Rezensionsbroschüren (14) anzubieten, in der die meisten Neuerwerbungen der Bibliothek besprochen wurden. In den Jahren 1991-1997 erschienen 5 Broschüren mit insgesamt 259 rezensierten Titeln.
Last but not least sei hervorgehoben, daß die Zeitschriftenbestände der WERKSTATT-Bibliothek seit 1986 in der ÖZZDB erfaßt wurden; dementsprechend waren Fernleihe-Anfragen aus ganz Österreich zu beantworten. Das ÖZZDB-Kürzel für die WERKSTATT-Bibliothek lautete 'WERK'.
Die WERKSTATT-Bibliothek besaß rund 3.600 Bücher ihres Sammelgebietes, alphabetisch angeordnet auf rund 60 Stellmetern. Wichtigstes Mittel, um neue Bücher zu erwerben, waren Rezensionsexemplare der Verlage. Der Rest der gewünschten Bücher wurde vom geringen Jahresbudget von 7.000,- ATS erworben, sodaß der Bestand immerhin um rund 100 Bücher pro Jahr vermehrt werden konnten. Alle Neuzugänge fanden Eingang in die Rezensionsbroschüre, die im Gegenzug nach Fertigstellung an die Verlage geschickt wurde.
Da ein wesentlicher Aufgabenbereich und ein großer Teil des Selbstverständnisses der WERKSTATT-Bibliothek das Ausgleichen des von ihr behaupteten Literaturdefizites in bezug auf ihr Sammelgebiet war, wurde in der Hausarbeit untersucht, ob dieses Defizit tatsächlich bestand. Dazu wurden mit Hilfe von 50 Zufallszahlen ebensoviele Titel aus dem Bestand ausgewählt, das sind ca. 1,4%. Anschließend wurde überprüft, ob diese ausgewählten Titel (evtl. in einer höheren Auflage) (i) an der Universitätsbibliothek Salzburg (UBS) überhaupt vorhanden sind, und wenn ja, ob sie (ii) an der Hauptbibliothek (HB) oder (iii) an der Fakultätsbibliothek für Naturwissenschaften (NW; diese Fakultätsbibliothek umfaßt auch den Bestand des Instituts für Psychologie) oder (iv) an einer sonstigen dezentralen Einheit (DE) vorhanden sind. In der folgenden Tabelle finden sich die Ergebnisse kurz zusammengefaßt:
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Summe |
(i) UBS+ |
(ii) HB+ |
(iii) NW+ |
(iv) DE+ | |
|
Anzahl |
50 |
40 |
33 |
15 |
30 |
|
Prozent |
100% |
80% |
66% |
30% |
60% |
Das behauptete Defizit konnte zumindest bei Monographien nach diesem Ergebnis nur schwer festgestellt werden, befinden sich doch 80 % der Titel in der Universitätsbibliothek Salzburg; allerdings sind davon nur 30 % in der Fakultätsbibliothek für Naturwissenschaften vorhanden (die ja auch den Bestand des Instituts für Psychologie umfaßt). Etwas anders sieht die Situation bei den Zeitschriften aus.
Die WERKSTATT-Bibliothek besaß laut ÖZZDB (Stand: 24.11.1997) 123 Zeitschriften, davon 51 laufend. Für diese sei auch hier wieder der Bestandsnachweis der UBS angegeben (+ bedeutet in diesem Falle, daß die Zeitschrift laufend geführt wird):
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Summe |
(i) UBS + |
(ii) HB+ |
(iii) NW+ |
(iv) DE+ | |
|
Anzahl |
51 |
23 |
14 |
2 |
17 |
|
Prozent |
100 |
45 % |
27 % |
4 % |
33 % |
Das Defizit in diesem Bereich ist deutlich höher als bei den
Monographien. Überdies gibt eine ganze Reihe von Zeitschriften, die in
Salzburg, ja sogar in ganz Österreich, nur in dieser Bibliothek vorhanden
waren. Zur Verdeutlichung dieses Sachverhaltes nun eine repräsentative
Auswahl von Zeitschriften mit genauer Bestandsangabe, die laut ÖZZDB in Österreich
nur in der WERKSTATT-Bibliothek vorhanden waren:
Rund 95% der laufenden Zeitschriften wurden im Tausch mit dem WERKBLATT erworben; nur ganz wenige wie etwa 'Psyche' und 'Leviathan' wurden vom Zeitschriftenbudget von ca. 3.000,- ATS pro Jahr gekauft, da in diesen Fällen ein Tausch nicht möglich war. Die Zeitschriften wurden nicht im Bibliotheksprogramm LIDOS (15), sondern in einem eigenem Textverarbeitungsprogramm verwaltet; von Zeit zu Zeit wurde ein aktueller Katalog an Herrn Schöggl von der Salzburger ÖZZDB-Redaktion geschickt, der diesen dann in die ÖZZDB einarbeitete.
Die WERKSTATT-Bibliothek besaß darüberhinaus rund 150 Audiokassetten, rund 50 Videokassetten und einiges an Grauer Literatur (Dissertationen, Diplomarbeiten und Vorlesungsmitschriften) zu bibliotheksrelevanten Themen.
Die Bestände der Bibliothek wurden seit 1986 formal durch das lokale Bibliothekssystem LIDOS erfaßt. Der Katalog war zugänglich über den Computer der Bibliothek und liegt als hardcopy in einer Ausgabe aus dem Jahr 1992 an der UB Salzburg auf (16).
Die inhaltliche Erschließung erfolgte seit 1991 durch eine in Anlehnung an die Schlagwortliste des Kölner Sozialforschungsinstituts ausgearbeitete feine, standort-ungebundene verbale Systematik mit wenigen Oberbegriffen, die den Sammelschwerpunkten entsprachen; jedem Oberbegriff waren in Listenform zahlreiche Unterbegriffe angefügt, die als Schlagwörter dienten; ein Oberbegriff konnte bis zu 50 Systemstellen umfassen. Insgesamt umfaßte die Systematik rund 400 Systemstellen. Ein Buch erhielt mindestens ein Schlagwort, im Durchschnitt 3 bis 4 gleichberechtigte aus dieser Liste. Die Bücher wurden nicht mit Abstracts versehen, und auch die Zeitschriftenartikel wurden nicht weiter ausgewertet.
Der Bestand der WERKSTATT-Bibliothek war in einer alphabetisch angeordneten Freihand-Aufstellung den Benutzern zugänglich. Wie schon erwähnt, hatten diese von Beginn an die Möglichkeit zur freien Entlehnung der Bücher. Geöffnet hatte die Bibliothek (mit verkürzten Zeiten im Sommer) durchschnittlich 13 Stunden pro Woche.
In der Bibliotheksordnung war die Entlehnzeit der Bücher mit einem Monat festgelegt; Verlängerungen waren jederzeit (auch telefonisch) möglich. Zeitschriften waren grundsätzlich nicht entlehnbar. Die WERKSTATT-Bibliothek wurde pro Woche von ca. 10-20 Besuchern frequentiert. Ferner bearbeitete der Bibliothekar ca. 40-50 Fernleihescheine pro Jahr aus ganz Österreich.
Die Veröffentlichungen der WERKSTATT, z.B. das WERKBLATT oder das Semesterprogramm, enthielten immer auch einen Hinweis auf und somit Werbung für die Bibliothek; die Bibliothek selbst machte durch folgende Aktionen gezielt auf sich aufmerksam: Verteilen der Rezensionsbroschüren und Organisation von Büchertischen.
Vielleicht könnte man als abschließendes Resümee in punkto Öffentlichkeitsarbeit nach außen folgendes festhalten: zur Hauptaufgabe von Spezialbibliotheken in Österreich scheint die Beschaffung von Geldmitteln geworden zu sein, um ihr langfristiges Überleben zu sichern. Wenn man als Vergleich etwa die Bibliothek der Sigmund Freud-Gesellschaft (17) in Wien betrachtet, ebenfalls eine psychoanalytische Spezialbibliothek, dann ist meines Erachtens der wesentlichste Unterschied zur WERKSTATT-Bibliothek das Geschick des Trägervereins bei der Beschaffung von Geldmitteln. Die Sigmund Freud-Gesellschaft definiert sich wesentlich über das von ihr ebenfalls unterhaltene Museum, und für einen von vielen Menschen besuchten Ort ist es in Österreich offenbar - und naturgemäß, um mit einem großen österreichischen Schriftsteller zu sprechen - leichter, Subventionen zu erhalten als für gesellschaftskritische Aktivitäten. Gerade diese verstärkte Hervorhebung des Museums und die dadurch bedingte - vermutete - Anbiederung an Touristen ist mehrfach von WERKSTATT-MitarbeiterInnen kritisiert worden (18). Ob es für die WERKSTATT langfristig günstiger gewesen wäre, weniger gesellschaftskritisch zu sein, damit den eigenen Fortbestand und den ihrer Bibliothek zu sichern, aber ihren Idealen untreu zu werden, ist eine offene Frage, die hier nicht beantwortet werden kann.
Zeitschriften:
Vom 'WERKBLATT - Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik' sind bis jetzt folgende Hefte erschienen:
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1.1984 |
1 |
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2.1985 |
1/2 (=2/3), 3/4 (=4/5) |
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3.1986 |
1/2 (=6/7), 3/4 (=8/9) |
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4.1987 |
1/2 (=10/11), 3/4 (=12/13) |
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5.1988 |
1/2 (=14/15), 3/4 (=16/17) |
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6.1989 |
18/19, 20/21 |
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7.1990 |
22/23, 24/25 |
|
8.1991 |
26, 27 |
|
9.1992 |
28 |
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10.1993 |
29/30, 31 |
|
11.1994 |
32, 33 |
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12.1995 |
34, 35 |
|
13.1996 |
36 |
Broschüren (chronologisch geordnet):
Indianer - die Ureinwohner Amerikas: zieh einen Kreis aus Gedanken. Hrsg. von IDEAS - Institut zur Dokumentation und Erforschung alternativer Sozialformen und der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Wien 1984.
Psychoanalyse fürs Volk: ein Gesundheitsprojekt in Nicaragua. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1984.
Psychosomatik: Versorgung, Theorien, Tips. Hrsg. vom Arbeitskreis Psychosomatik. Salzburg 1986.
Sexburg: 1987 - 1991; fünf Jahre Sexualberatungsstelle Salzburg. Hrsg. von der Sexualberatungsstelle der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1992.
Zwischen den Stühlen: Frauen beim Frauenarzt; ein Handbuch. Hrsg. von der Sexualberatungsstelle der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. 2., vollst. überarb. u. aktualisierte Aufl. Salzburg 1992.
Bücher (chronologisch geordnet):
Jenseits der Couch: Psychoanalyse und Sozialkritik. Hrsg. von der Institutsgruppe Psychologie der Universität Salzburg. Frankfurt/M. 1984.
Salud mental in Nicaragua: Psychoanalyse im Dienste des Volkes. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1988.
Der Einmarsch in die Psyche: Psychoanalyse, Psychologie und Psychiatrie im Nationalsozialismus und die Folgen; Beiträge zum Symposion der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse in Salzburg am 27./28. Mai 1988. Hrsg. von Fallend, Karl. Wien 1989.
Bibliothekarisches (chronologisch geordnet):
Rezensionsbroschüre. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg WS 1991/92, 1/1993, 1/1995, 1/1996, 2/1996, 1997.
Bibliothekskatalog. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1992.
Amerbauer, Martin: Die Bibliothek der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse in Salzburg. Bibliothekarische Hausarbeit. Salzburg 1997.
Bibliothekskatalog. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1992.
Caruso, Igor A.: Soziale Aspekte der Psychoanalyse. Reinbek 1972.
Fritsche, Doris: Geschichte und Aufbau der Sigmund Freud-Haus-Bibliothek. Bibliothekarische Hausarbeit. Wien 1995.
Huber, Wolfgang J. A.: Die Psychoanalyse in Österreich seit Sigmund Freuds Exil. In: Psychologie in Österreich 5(1985): 194-199.
Institutsgruppe Psychologie Salzburg: Annalen: Geschichte der Psychoanalyse von unten. In: Jenseits der Couch: Psychoanalyse und Sozialkritik. Hrsg. von der Institutsgruppe Psychologie der Universität Salzburg. Frankfurt/M. 1984: 275-297.
Jenseits der Couch: Psychoanalyse und Sozialkritik. Hrsg. von der Institutsgruppe Psychologie der Universität Salzburg. Frankfurt/M. 1984.
LIDOS 3: Literatur-Dokumentationssystem. Oberasbach 1989.
Mätzler, Karl: Frei flottierende Psychoanalyse an unsicheren Orten: kritische Psychoanalyse in Österreich am Beispiel der Salzburger Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. In: Psychologie als Gesellschaftswissenschaft. Hrsg. von Rexilius, Günter. Opladen 1988: 318-332.
Psychoanalyse fürs Volk: ein Gesundheitsprojekt in Nicaragua. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1984.
Reichmayr, Johannes: Geschichten aus der Freud-Börse. In: Werkblatt 5 (1988), Nr. 3/4: 107-111.
Reichmayr, Johannes: Was soll da werden?" 25 Jahre Sigmund Freud-Gesellschaft in Wien. In: Werkblatt 10 (1993), Nr. 31: 104-121.
Reichmayr, Johannes: Die Psychoanalyse in der österreichischen Groß- und Kleinkultur. In: Werkblatt 11 (1994), Nr. 32: 119-128.
Rezensionsbroschüre. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg WS 1991/92, 1/1993, 1/1995, 1/1996, 2/1996, 1997.
Salud mental in Nicaragua: Psychoanalyse im Dienste des Volkes. Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1988.
Saluti, J.: Big Mac aus der Berggasse. In: Werkblatt 4(1987), Nr. 1/2: 85-92.
Statuten der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1996.
Trübswasser, Gerhild: Ernest Borneman. In: Werkblatt 11(1994), Nr. 33: 4-5.
Werkblatt: Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik. Salzburg 1984ff.
Anmerkungen:
(1)Dieser Beitrag ist eine stark gekürzte Fassung meiner
bibliothekarischen Hausarbeit (Die Bibliothek der Werkstatt für
Gesellschafts- und Psychoanalyse in Salzburg. Bibliothekarische Hausarbeit.
Salzburg 1997), ergänzt um die aktuelle Entwicklung der letzten Monate.
Mein herzlicher Dank geht an Herrn Mag. Thomas Radauer (Bibliothekar), Frau Dr.
Gerhild Trübswasser und Herrn Edward Vitasek von der WERKSTATT, die immer
bereitwillig und geduldig meine zahlreichen Fragen beantwortet haben und mir darüber
hinaus jedes gewünschte Arbeitsmaterial zukommen ließen. Ebenfalls
herzlich danken möchte ich meinen KollegInnen von der Universitätsbibliothek
Salzburg, die mir bei der Abfassung dieser Hausarbeit behilflich waren,
insbesondere meinem Chef Herrn Univ. Doz. DDr. Bernhard Wenisch, Frau Mag.
Renate Scherl, Frau Dr. Irmgard Lahner, Herrn Hans Klinger, Herrn Andreas Dully
und Herrn Georg Schrattenegger. Ein spezieller Dank geht an Herrn Univ. Doz. Dr.
Max Thaler vom Institut für Mathematik der Universität Salzburg für
die Produktion der 50 Zufallszahlen aus Kapitel 3.1.
(2)Psychoanalyse fürs Volk: ein Gesundheitsprojekt in Nicaragua.
Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg
1984.
(3)Salud mental in Nicaragua: Psychoanalyse im Dienste des Volkes.
Hrsg. von der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg
1988.
(4)Das vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung geförderte
WERKBLATT - Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik"
erscheint mittlerweile im 13. Jahrgang (1996) mit einer Auflage von 1000 Stück
und einem Umfang von 128 Seiten pro Heft. Es beinhaltet psychoanalytische Beiträge
in- und ausländischer AutorInnen und stößt als eine der wenigen
psychoanalytischen Zeitschriften Österreichs auch international auf
Beachtung. Nach Auskunft von Frau Dr. Trübswasser ist auch nach Auflösung
der WERKSTATT die Weiterführung des WERKBLATTes geplant.
(5)Huber, Wolfgang J. A.: Die Psychoanalyse in Österreich seit Sigmund
Freuds Exil. In: Psychologie in Österreich 5(1985): 198.
(6)Institutsgruppe Psychologie Salzburg: Annalen: Geschichte der
Psychoanalyse von unten. In: Jenseits der Couch: Psychoanalyse und
Sozialkritik. Hrsg. von der Institutsgruppe Psychologie der Universität
Salzburg. Frankfurt/M. 1984: 275.
(7)Siehe auch Caruso, Igor A.: Soziale Aspekte der Psychoanalyse.
Reinbek 1972; und: Jenseits der Couch: Psychoanalyse und Sozialkritik.
Hrsg. von der Institutsgruppe Psychologie der Universität Salzburg.
Frankfurt/M. 1984.
(8)Mätzler, Karl: Frei flottierende Psychoanalyse an unsicheren Orten:
kritische Psychoanalyse in Österreich am Beispiel der Salzburger Werkstatt
für Gesellschafts- und Psychoanalyse. In: Psychologie als
Gesellschaftswissenschaft. Hrsg. von Rexilius, Günter. Opladen 1988:
320.
(9)Mätzler, Karl: Frei flottierende Psychoanalyse an unsicheren Orten:
321.
(10)Huber, Wolfgang J. A.: Die Psychoanalyse in Österreich seit Sigmund
Freuds Exil: 198.
(11)Statuten der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse.
Salzburg 1996.
(12)Trübswasser, Gerhild: Ernest Borneman. In: Werkblatt
11(1994), Nr. 33: 5.
(13)Werkblatt 4(1987): Nr. 3/4: 107.
(14)Rezensionsbroschüre. Hrsg. von der Werkstatt für
Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg WS 1991/92, 1/1993, 1/1995, 1/1996,
2/1996, 1997.
(15)LIDOS 3: Literatur-Dokumentationssystem. Oberasbach 1989.
(16)Bibliothekskatalog. Hrsg. von der Werkstatt für
Gesellschafts- und Psychoanalyse. Salzburg 1992.
(17)Vgl. etwa: Fritsche, Doris: Geschichte und Aufbau der Sigmund
Freud-Haus-Bibliothek. Bibliothekarische Hausarbeit. Wien 1995.
(18)Vgl. etwa: Reichmayr, Johannes: Geschichten aus der Freud-Börse.
In: Werkblatt 5 (1988), Nr. 3/4: 107-111; Reichmayr, Johannes: Was
soll da werden?" 25 Jahre Sigmund Freud-Gesellschaft in Wien. In: Werkblatt
10(1993), Nr. 31: 104-121; Reichmayr, Johannes: Die Psychoanalyse in der österreichischen
Groß- und Kleinkultur. In: Werkblatt 11(1994), Nr. 32: 119-128;
und: Saluti, J.: Big Mac aus der Berggasse. In: Werkblatt 4(1987), Nr.
1/2: 85-92.